Test: Zanden Audio Systems Röhren Vollverstärker -Japanische Origami Kunst mit Samurai Beherrschung

Diese Rezension ist die vollständige Übersetzung des Testberichts über den Zanden 6000F, der im Mai 2026 vom Rezensenten Werner Ero für das Music Emotion Magazine verfasst und anschließend online auf FWD.nl veröffentlicht wurde.

Im Laufe eines Jahres gelangen gewöhnlich zahlreiche Produkte in den Hörraum eines Rezensenten. Manche sind schön und faszinierend, andere eher gewöhnlich und manchmal weniger interessant. Die angenehmsten Testprodukte sind natürlich jene, zu denen man selbst eine besondere Beziehung hat – und dazu gehören für mich ohne jeden Zweifel die Produkte der legendären japanischen Boutique-Marke Zanden Audio.

Denn wenn jemand meinen Respekt verdient, dann ist es der außerordentlich begabte Entwickler Kazutoshi Yamada. Ein Meister darin, den so schwer greifbaren musikalischen Realismus einzufangen, und ein wahrer Künstler darin, seine Elektronik akustisch „unsichtbar“ werden zu lassen.

Da ich seit 2015 selbst das Modell 6000 als Referenz-Vollröhrenverstärker verwende, dürfte klar sein, dass der Test des direkten Nachfolgers zu den Höhepunkten des Jahres zählen könnte. Wird dieser Neuling seinem angestrebten Superstatus erneut gerecht oder bleibt es lediglich bei „schön und anders“?

Kritisches Spannungsfeld

Normalerweise beginne ich an dieser Stelle direkt mit dem Test, doch diesmal verdient der Kontext eine kurze Erläuterung. Wie bereits erwähnt, nutze ich den oben genannten Röhrenverstärker seit 2015 als Referenz. Er ist sowohl eine wunderbare Musikmaschine, die mich täglich inspiriert, als auch ein fester Bezugspunkt in meinen Bewertungen. Gerade deshalb wurde die Ankündigung des Nachfolgers von einigen mit überdurchschnittlichem Interesse verfolgt.

In der kleinen, spezialisierten High-End-Landschaft ruft so etwas manchmal mehr hervor als bloße technische Neugier. In diesem Fall führte es zu Unruhe und ungewöhnlichen Diskussionen innerhalb der bekannten Audiokanäle und Medienumfelder. Ich selbst lege großen Wert auf journalistische Unabhängigkeit und versuche Produkte stets nach ihren eigenen Qualitäten zu beurteilen.

Das ist auch hier nicht anders. Dass externe Nebengeräusche manchmal im Hintergrund mitschwingen, ändert nichts an der Absicht dieses Tests: eine möglichst reine und ehrliche Wiedergabe meiner Hörerfahrungen.

Ob diese Rezension als zu lobend oder als kritische Analyse gelesen wird, überlasse ich vollständig dem Leser. Meine Rolle bleibt unverändert: zu beschreiben, wozu ein Produkt in der Lage ist – und nicht, was kommerziell von mir erwartet wird.

Das Kennenlernen

Zurück nun zum Gegenstand dieses Tests: dem Zanden Audio 6000F. Ein Abenteuer, das eigentlich schon vor längerer Zeit begann. Der Ursprung lag indirekt im Test der aus Belgien stammenden Ilumnia Magister Lautsprecher. Eine einzigartige Lautsprechermarke, deren Vertrieb für die Niederlande damals der Importeur F&F HiFi in Person von Frank Essink übernommen hatte.

Der 6000 erwies sich als eine außergewöhnlich schöne Kombination mit diesen teilweise rundstrahlenden Lautsprechern, und damit war der Kontakt hergestellt. Frank bekam auch nach längerer Zeit dieses besondere Klangergebnis nicht mehr aus dem Kopf und bat mich irgendwann um die Kontaktdaten des japanischen Unternehmens.

Gleichzeitig erzählte ich ihm, dass Entwickler Kazutoshi bereits Jahre zuvor gezwungen gewesen war, die Produktion des 6000 einzustellen – aufgrund der Beendigung der Fertigung durch den legendären Transformatorenhersteller Tamura

Natürlich äußerst bedauerlich, denn gerade in Europa schätzt man inzwischen das „Downscaling“ – also die Vereinfachung der High-End-Audioanlage durch den Wechsel von Vor- und Endverstärkern hin zu einem integrierten Verstärker. Frank, der früher in der Marketingabteilung von Philips gearbeitet hatte, fasste sich ein Herz, kontaktierte Yamada diesbezüglich – und der Rest ist Geschichte.

kazutoshi yamada
zanden 6000f backpanel

Die Spannung steigt

Was die Marke Zanden Audio so besonders macht, ist die Denkweise, das Talent und die Umsetzung, mit der Kazutoshi an die Materie herangeht. Besonders faszinierend ist, wie es ihm immer wieder gelingt, die legendären Zanden-Eigenschaften präzise in ein neues Design zu integrieren.

Als der 6000F mit vereinten Kräften auf meinem Finite Elemente Pagode Master Reference Rack platziert wurde, waren die Wurzeln des ursprünglichen 6000 sofort erkennbar. Denn der Nachfolger sieht seinem Vorgänger wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich – zumindest an der Vorderseite.

Auf der Rückseite jedoch zeigt sich der „F“ anders. Der Unterschied liegt vor allem in der deutlich größeren Aussparung im perlgestrahlten Acryl. Dies wurde vorgenommen, um bei den tief eingelassenen WBT Topline Lautsprecheranschlüssen auch große Kabelschuhe verwenden zu können.

Nach dem Anschließen und Einschalten bemerkte ich jedoch weitere Unterschiede. Die Relais klingen anders und die LED im Lautstärkeregler blinkt während des Regelvorgangs langsam. Beim 6000 leuchtete sie stets dauerhaft. Auch der Motor wurde schneller abgestimmt, wobei die Schritte glücklicherweise klein genug geblieben sind, um die Lautstärke für jedes Musikstück präzise einstellen zu können.

Gerade diese exakte Einstellbarkeit ist bei einem Zanden-Verstärker oft wichtiger als bei vielen anderen Verstärkern. Durch die perfekte Skalierung des musikalischen Geschehens und die realistischen Konturen merkt man nämlich sehr deutlich, dass beim richtigen Pegel plötzlich alles exakt an seinen Platz fällt.

Das ist ein völlig anderer Ansatz als bei Produkten, bei denen die Musik einfach „spielt“ und die vom Hörer weniger verlangen.

Begrenzung von Störeinflüssen

Neben den inzwischen ikonischen Stilmerkmalen der Zanden Modern Line mit ihrer charakteristischen kubistischen Architektur wird die Erscheinung von einem reizvollen visuellen Spannungsfeld geprägt. Die matte Oberfläche der perlgestrahlten Acrylfront und -rückseite kontrastiert stark mit den Gehäuse- und Chassisteilen aus hochwertig poliertem Edelstahl.

Nimmt man den Deckel ab – notwendig, um die Röhren einzusetzen – erscheint nach dem Entfernen der sechzehn ebenfalls polierten M1-Inbusschrauben ein wunderschön gebürsteter Edelstahl-Hitzeschild.

Da ich den 6000F gezielt auf Unterschiede zum 6000 untersuchen wollte, entfernte ich diesen Hitzeschild. Sofort fiel auf, dass zahlreiche Bauteile und das gesamte Layout wesentlich verändert wurden. Obwohl die Basisschaltung im Wesentlichen jener des 6000 entspricht, musste durch den Einsatz der Finemet-Ausgangsübertrager die restliche Schaltung neu abgestimmt werden.

Ein weiterer wichtiger Unterschied liegt in der Abschirmung. Yamada erklärt dazu:

„Alle elektronischen Komponenten wie Transformatoren, Verkabelung und Kondensatoren erzeugen elektromagnetisches Rauschen und statische Störungen, die die Klangqualität negativ beeinflussen können. In einer Röhrenschaltung mit hohen Impedanzen, hohen Spannungen und bewusst minimalem Einsatz von Gegenkopplung erhalten diese Einflüsse ein noch größeres Gewicht.

Während sich konventionelle Abschirmung vor allem darauf konzentriert, solche Störungen zu blockieren, verfolge ich einen anderen Ansatz. Das Ziel besteht nicht darin, Energie aufzuhalten, sondern sie zu dissipieren. Mit speziell entwickelten elektromagnetischen Absorbern wird dieses Rauschen in Wärme umgewandelt.

Dieses Material wurde in Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Werkstoffhersteller entwickelt und ist ein integraler Bestandteil der Designphilosophie.“

zanden pullshut
zanden 6000f vollverstärker

Finemet-Ausgangsübertrager

Einer der wichtigsten Parameter, durch den sich der Zanden 6000F von seinem Vorgänger unterscheidet, sind die besonderen und kostspieligen Finemet-Ausgangsübertrager. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes nanokristallines Kernmaterial, das ursprünglich von Hitachi Metals entwickelt wurde.

Es zeichnet sich durch extrem dünne, dicht gepackte Lamellen aus, die sehr geringe Kernverluste und hervorragende magnetische Eigenschaften ermöglichen. Dieses Material bietet einen größeren Frequenzbereich bei geringeren Verzerrungen als klassische Silizium- oder orientierte Kernmaterialien in Audio-Transformatoren – wie die zuvor verwendeten Tamura-Modelle.

In Anlehnung an die teurere Classic-Serie entschied sich Zanden bewusst dafür, dieses Material auch in der preislich moderateren Modern-Serie – zu der der 6000F gehört – einzusetzen, nachdem die ursprünglichen Tamura-Ausgangsübertrager nicht mehr verfügbar waren.

Dabei blieb es nicht, denn laut Entwickler Kazutoshi Yamada wurde ausdrücklich eine tatsächliche Klangverbesserung gegenüber dem alten Design angestrebt. Die Produktion der Finemet-Exemplare erfolgt übrigens durch spezialisierte Wickelbetriebe wie den ebenfalls aus Japan stammenden Hersteller Tsuge Denki. Ein Unternehmen, das wie kaum ein anderes in der Lage ist, diese empfindlichen Kernmaterialien zu hochwertigen Audio-Ausgangsübertragern zu verarbeiten.

Aufgrund der einzigartigen Eigenschaften von Finemet – etwa der geringen Hystereseverluste – werden diese Transformatoren für ihre extreme Transparenz, Schnelligkeit und Verzerrungsarmut im Vergleich zu traditionellen Eisen- oder Nickel-Kernen (Mu-Metall) geschätzt.

Technisch besser – aber nicht ohne Preis

Dennoch müssen wir realistisch bleiben, und deshalb ist es fair zu erwähnen, dass auch die Tamura-Transformatoren weiterhin ihr eigenes Bündel positiver Eigenschaften besitzen. Während Finemet eine größere Bandbreite bietet, überzeugen die mit orientiertem Kern/Siliziumstahl arbeitenden Tamuras ihrerseits durch höhere Stromkapazität, bessere Vermeidung von Kernsättigung und größere Energiespeicherung im Kern. Mit anderen Worten: Sie können mehr Energie gleichzeitig verarbeiten, ohne einzubrechen, als dies mit gleich großen Finemet-Ausgangsübertragern möglich ist.

In der Praxis äußert sich dies in mehr Makrodynamik, stärkerem Tiefbass-Impact, natürlichen Klangfarben und besserem Antrieb bei der Kontrolle schwieriger Lautsprecher. Darüber hinaus sättigen die Tamuras oft gradueller und „freundlicher“, können kurzfristig mehr Energie puffern und vermitteln ein stärkeres Gefühl von Substanz und Gewicht in der Musik.

Da auch der 6000F wieder ein 100%iger Röhrenverstärker ist, verwendet das Gerät – wie sein Vorgänger – vier Tung-Sol KT120 Endröhren, die in einer Class-A/B-Push-Pull-Schaltung konfiguriert sind. Vier Electro Harmonix 12AU7 Gold dienen als Treiberröhren. Gemeinsam garantieren die KT120 eine Leistung von 2 × 90 Watt pro Kanal in einer patentierten, besonderen und intelligenten Schaltung. Die direkt gekoppelte zweite und dritte Verstärkerstufe sind hierfür ein schönes Beispiel.

Tatsächlich befindet sich dadurch kein Koppelkondensator zwischen diesen beiden Stufen. Gerade dessen Fehlen sorgt für jene Reinheit, Phasenstabilität und außergewöhnliche Mikrodetaillierung, die die Marke weltweit so bekannt gemacht haben. Doch dies bekommt man nicht geschenkt: Das Design ist extrem kritisch und die Bauteiltoleranzen müssen deutlich enger eingehalten werden und sind daher umso wichtiger.

Zurück nun zur Ästhetik. Auch die im gleichen Stil perlgestrahlte Fernbedienung arbeitet weiterhin präzise und zuverlässig, mit festen Drucktasten und exakt definiertem Druckpunkt. Darüber hinaus lassen sich damit alle Funktionen bedienen, die auch an der Front des 6000 sichtbar sind.

zanden audio 6000F & 120
asahi kasei pullshut

Hochfrequenz-Absorptionsmaterial

Was Zanden und damit auch den integrierten Verstärker 6000 in den vergangenen zehn Jahren teilweise von der Konkurrenz unterschieden hat, ist der Einsatz eines besonderen Absorptionsmaterials, das EMI/RFI- und HF-Störungen weitgehend unterdrückt.

Ich spreche von den sogenannten Pulshut-Fasern des japanischen Herstellers Asahi Kasei. Während im 6000 noch nahezu alle Komponenten mit diesem geheimnisvoll wirkenden grauen Gewebe umwickelt waren, wurde dies beim 6000F gezielter und selektiver umgesetzt. An manchen Stellen wurde bewusst weniger gedämpft, an anderen dagegen stärker. Die harten Abdeckkappen über bestimmten Komponenten sind stille Zeugen davon und fungieren laut Kazutoshi als sogenannte elektromagnetische Wellenabsorber. Dies stellt eine weitere Ergänzung zum Pulshut-Material dar und entspricht vollkommen dem Zanden-Bestreben, Störeinflüsse möglichst gezielt zu kontrollieren und zu minimieren.

Wenn wir den 6000F betrachten, sehen wir – wie bei allen anderen Zanden-Produkten – wieder diese extreme Aufmerksamkeit für jedes Detail. Allein schon die optimal ausgerichteten Komponenten wie Kondensatoren innerhalb des Geräts sowie der Edelstahl-„Käfig“ um die Elektronik. Dieser sorgt unter anderem durch seine Abschirmung für die enorme Ruhe, den auffallend niedrigen Störpegel und die außergewöhnlich hohe Auflösung – Eigenschaften, die durch die Finemet-Ausgangsübertrager nochmals deutlich verstärkt werden.

Sie können die vorhandene oder fehlende Abschirmung in Ihrem eigenen Röhrenverstärker übrigens leicht zuhause testen. Halten Sie Ihr Mobiltelefon in die Nähe Ihrer Anlage und rufen Sie es an. Bevor die Verbindung aufgebaut wird, hören Sie normalerweise über die Lautsprecher ein repetitives elektronisches Signal. Bei einem Zanden-Röhrenverstärker bleibt alles still. Und Sie können sich vorstellen, dass sich in und um Ihr Haus noch viele weitere Signale befinden, die Ihre Röhren attackieren und den Klang subtil oder weniger subtil beeinflussen können.

Hörtest – das Vorspiel

Nein, hierbei geht es nicht um spezifische sexuelle Handlungen, sondern um den Weg, den ich von meinem bisherigen 6000 zum neuen 6000F zurücklegen musste. Natürlich sind Sie jetzt – genauso wie ich damals während der ersten Hörsitzung – äußerst gespannt darauf, wie sich dies klanglich äußern wird.

Wie bei jedem Test lief auch der 6000F über längere Zeit in zahlreichen Konfigurationen. Die Liste ist so lang, dass ich sie hier bewusst nicht vollständig aufführe. Doch eines wurde schnell deutlich: Der F ist ein völlig anderes „Tier“ als sein Vorgänger. Nicht nur klanglich und interpretatorisch anders, sondern auch für einen anderen Hörertyp gedacht.

Das Erste, was ich tat, war das vollständige Abkoppeln meines 6000. Wenn man so lange mit einem Produkt lebt, verwächst man teilweise mit dessen Eigenschaften. Deshalb war diese Trennung notwendig, und in den folgenden Monaten spielte ich ausschließlich mit dem 6000F.

Was mir dabei als Erstes im Gedächtnis blieb, ist das, was ich die „Zanden-Integrität“ nenne: der Zusammenhang aller klanglichen Eigenschaften als ganzheitliches Gebilde.

Ein Merkmal, das eigentlich alle Produkte charakterisiert, die Kazutoshi im Laufe seiner Karriere geschaffen hat. Der Mann besitzt einfach unglaublich viel praktische Live-Hörerfahrung, ein extrem sensibles Ohr für Klangfarben, Verzerrungen, Energie sowie Zeit- und Phasenverhalten – und vor allem die Fähigkeit, dies in technische Entscheidungen und konkrete Werte umzusetzen.

kazutoshi yamada zanden audio
norma winstone

Hören 1 – Genuss von Reinheit, Ruhe und Stille

Nach dem Umschalten war der Unterschied so groß, dass ich mich zunächst daran gewöhnen musste. Die bekannte Kraft, der Slam und die Drive des 6000 wurden in Richtung geringerer tonaler Sättigung, noch größerer Transparenz, auffallend hoher Bandbreite – besonders im Hochtonbereich hörbar –, strafferem, aber weniger kraftvollem Bass sowie einer weiter nach vorne gerückten Platzierung von Stimmen und Instrumenten im Stereobild verändert.

Die Reinheit ist außergewöhnlich hoch, während die Lautstärke subjektiv niedriger eingestellt werden konnte, um angenehm zu hören. Während der 6000 rein und sauber klingt, ohne dass dies besonders auffällt, wird man sich beim F viel bewusster über diesen sauberen Charakter. Gleichzeitig bleibt er ein echter Zanden, insofern alle klanglichen Parameter als holistisches Ganzes zusammenfinden.

Durch diesen anderen Charakter begann ich auch andere Musik zu hören: kleinere Jazz- und Klassikbesetzungen, mehr Singer-Songwriter und weniger groß angelegte Werke. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass man keine großen Werke abspielen kann. Vielmehr sucht man aufgrund des anderen Charakters eher Aufnahmen mit hohem Raffinement.

Während langer Hörsitzungen entstanden dadurch regelmäßig neue Erkenntnisse.

Ein schönes Beispiel ist die Musik der britischen Sängerin Norma Winstone auf dem ECM-Label. Wenn sie Stücke wie das intime „Just Sometimes“ auf Stories Yet to Tell oder „It Might Be You“ auf Dance Without Answer singt, ist die Interaktion mit Pianist Glauco Venier und Bassklarinettist Klaus Gesing atemberaubend schön. Alles ist vollkommen natürlich hörbar und besitzt jenen typischen Zanden-Realismus.

Im späteren Vergleich mit dem 6000 platziert dieser das Ganze weiter in den Raum hinein, lässt den Raum anders atmen – der F bevorzugt stärker den Direktschall von Stimme und Instrumenten – und bietet mehr Sättigung sowie natürliche Wärme bei Stimmen und Instrumenten. Letztlich hängt jedoch vieles auch vom persönlichen Geschmack und der Systemabstimmung ab.

Hören 2 – Im Einklang mit der Zanden Classic-Serie

Nach noch längerem Hören werden die Unterschiede immer deutlicher und ausgeprägter. Der „F“ entpuppt sich dabei als Künstler der reinen und sauberen Künste. Ein Design, das die Tugenden der reinsten Transistorverstärker mit der Schönheit und emotionalen Beteiligung von Röhren verbindet.

Wenn Sie Röhren mögen, aber manchmal Definition und Straffheit im Bass vermissen, Ihnen die Mitten etwas zu weich erscheinen und die Höhen zwar schön, aber etwas zu rund wirken, dann könnte dies genau Ihr Typ Röhrenverstärker sein. Und dabei habe ich das wunderschön geschichtete 3D-Raumbild fast noch vergessen – eine Eigenschaft, die Röhren ohnehin auszeichnet, die bei Zanden jedoch auf ungeahnte Höhen getrieben wurde.

Um dies zu untersuchen, nutze ich gerne die wunderbare Musik des norwegischen Perkussionisten Terje Isungset. Mit seinem Hintergrund in Jazz und traditioneller skandinavischer Musik gilt er heute als eine echte Größe im Einsatz innovativer Perkussionsinstrumente. Vor allem aber ist er als Erfinder und Pionier der Ice Music bekannt – Musik auf Instrumenten, die er selbst aus natürlichen Materialien wie Eis, arktischer Birke, Granit, Schiefer und Schafsglocken entwickelt hat.

Wie der 6000 – kraftvoll, groß und spannend – beeindruckt der 6000F wiederum durch das extreme Auseinanderziehen komplexer Klangblöcke, das lange Ausschwingen und die Fähigkeit, exakt nachzuverfolgen, wie die Instrumente gespielt werden. Die meditative Entspannung ist enorm hoch und man kann vollständig in dieser wunderbaren, atmosphärischen Musik versinken.

Es ist außerdem wichtig zu verstehen, dass der F durch seinen sanften, extrem reinen und raffinierten Charakter stärker an die teurere Zanden Classic-Serie erinnert als der markantere und „wildere“ 6000. Also ruhiger, mit Fokus auf Reinheit und Raffinesse, weichen Klangfarben sowie stillem und intensivem Genuss kleiner musikalischer Nuancen.

Das ist absolut wunderschön und ansteckend – eine klangliche Richtung, die hervorragend zu dem passt, was heutige Hörer von ihrer Anlage erwarten. Kurz gesagt: eine Präsentation, bei der sich die Musik angenehm und geschmeidig in den täglichen Lebensfluss einfügt und sich weniger dominant in den Vordergrund drängt.

terje isungset
zanden 6000F detail

Universelle Einsetzbarkeit

In diesem letzten Abschnitt vor dem Fazit möchte ich noch kurz über die Einsetzbarkeit sprechen. Denn auch wenn manche Hersteller etwas anderes behaupten: Es bleibt eine Tatsache, dass Röhrenverstärker schwierige Lautsprecher mit niedrigen Impedanzen weniger gut antreiben können als ihre Transistor-Pendants.

Natürlich kann ein Hersteller durch Tricks wie mehr Gegenkopplung und größere Netzteile mit zusätzlichen Röhren gegensteuern. Doch dadurch verliert man teilweise auch den eigentlichen Grund, weshalb man überhaupt einen Röhrenverstärker besitzen möchte. Zanden wählt – wie immer – den möglichst reinen und unverfälschten Weg. Eine Art der Wiedergabe, die wie kaum eine andere den Weg zu echtem klanglichem Realismus freimacht.

Zurück nun zum 6000F und der Frage, ob sich der Verstärker problemlos in ein bestehendes System integrieren lässt und worauf man achten sollte. Wie Sie bereits zu Beginn dieses Tests lesen konnten, besteht ein deutlicher Unterschied im Material der Ausgangsübertrager. Finemet besitzt eine geringere Kernbelastbarkeit – und das spiegelt sich auch in meinen Erfahrungen wider.

So kann ich die Ilumnia Magister mit dem alten 6000 problemlos antreiben, während dies mit dem 6000F deutlich weniger gut gelingt. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass der Neuling hier versagt. Viele der während des Testzeitraums verwendeten Lautsprecher – etwa die Referenz Master Contemporary C, die Dali Epikore 7 oder die Boenicke W8 SE – funktionierten ausgezeichnet.

Ein weiterer Aspekt, den Sie berücksichtigen sollten, ist die extrem hohe Auflösung dieses neuesten Zanden-Verstärkers. Obwohl das Gerät von sich aus bereits musikalisch, flüssig und homogen spielt, macht es sofort hörbar, wenn die Abstimmung – Kabel, Quellen oder Lautsprecher – noch nicht vollständig stimmt.

Man wird dafür keineswegs bestraft und die Wiedergabe bleibt auch dann entspannt und musikalisch. Sobald jedoch alles harmoniert, merkt man sofort, dass plötzlich alles an seinen Platz fällt – und man erkennt, dass auch dieser 6000F wieder ein echter Zanden ist.

Fazit

Was für ein monumentaler Verstärker, was für eine angenehme Überraschung und was für eine vollkommen andere Wiedergabe und Herangehensweise im Vergleich zu seinem Vorgänger.

Was ich dabei besonders beeindruckend finde, ist, dass Entwickler Kazutoshi Yamada den Nachteil des Produktionsendes der berühmten Tamura-Ausgangsübertrager letztlich in einen Vorteil verwandeln konnte.

Natürlich wurde er dabei erheblich durch seine zuvor gesammelten Erfahrungen mit der Classic-Serie unterstützt. Doch selbst dann bleibt bemerkenswert, dass das neue Design weiterhin bestimmte Gemeinsamkeiten mit seinem legendären Vorgänger – dem 6000 – besitzt.

Obwohl es Aspekte gibt, in denen der 6000 weiterhin überlegen ist, muss gesagt werden, dass der F ihn in anderen Bereichen übertrifft.

Ein weiterer großer Pluspunkt, weshalb ich mich bereits vor zehn Jahren in den 6000 verliebt habe, sind die Vorteile des eingebauten passiven Lautstärkereglers gegenüber einer aktiven Variante. Normalerweise erhält man mit einer separaten passiven Lautstärkeregelung zwar Reinheit und Transparenz, nimmt dafür jedoch häufig einen dünneren und weniger dynamischen Klang in Kauf. Da der Regler beim 6000(F) jedoch bereits integraler Bestandteil des Gesamtkonzepts ist, wurde alles darauf optimiert und die Signalwege extrem kurz gehalten.

Ich möchte abschließend festhalten, dass auch der 6000F nur sehr wenig Konkurrenz besitzt. Insbesondere durch die Finemet-Ausgangsübertrager in Kombination mit dem passiven Alps-Lautstärkepotentiometer entstand eine wunderschöne Schnelligkeit, Reinheit und Transparenz.

Eine Wiedergabe in einem einzigen Gehäuse, die die Grenzen des derzeit maximal Machbaren im Bereich der Röhrenverstärkung sehr nahe erreicht. Und dies auf typisch Zanden-Art: als Traum aus Musikalität mit maximalem Einblick in die Aufnahme.

Lassen auch Sie sich herausfordern und lernen Sie einen Verstärker kennen, der Ihre Musik aus ihrem innersten Kern heraus beleuchtet. So herausfordernd wie japanische Origami-Kunst und mit einer Beherrschung und unterschwelligen Kraft, die perfekt zum Gedankengut der Ninja-Krieger passt.

Beeindruckend.

Für eine Vorführung des Zanden 6000F sowie anderer Geräte von Zanden können Sie sich an den Importeur von Zanden Audio wenden: Frank Essink von ffhifi.eu[email protected]

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